Anna Meinich Verstehen-Fühlen-Wachsen

 Verstehen · Fühlen · Wachsen mit Anna Meinich 

Holzschild mit der Aufschrift Sinnfinder Blog am Strand

Sinnfinder-Post "der Blog" von  Verstehen · Fühlen · Wachsen  - Anna Meinich

Gedanken, die dich ein Stück begleiten

Hier findest du Gedanken über das Leben, Beziehungen, Gefühle und die manchmal verschlungenen Wege zu uns selbst.

Nicht als fertige Antworten und schon gar nicht als Anleitung, wie Leben zu funktionieren hat. Sondern als Einladung, genauer hinzuschauen, zu verstehen, zu fühlen – und vielleicht dabei etwas Eigenes zu entdecken.

Vielleicht findest du hier einen Gedanken, der bleibt.
Eine Frage, die dich noch ein Stück begleitet. Oder einen Satz, bei dem du plötzlich denkst:

 Ja. Genau das kenne ich.

Der Mensch versucht zu halten, was nicht zu halten ist

Über uralte menschliche Muster, neue Möglichkeiten und ein Bewusstsein, das vielleicht nicht immer Schritt hält

Manchmal frage ich mich, wie viel sich in uns Menschen tatsächlich verändert hat.

Wir haben gelernt, Krankheiten zu behandeln, stehen kurz davor, den Mars zu erobern, und können Informationen in einem Bruchteil von Sekunden um die ganze Welt schicken. Wir können Dinge sehen, die frühere Generationen noch geheimnisvollen Göttern zuschrieben.

Doch sind diese Götter wirklich verschwunden? Oder haben sie nur andere Namen und Gesichter bekommen?

Vielleicht machen wir andere Menschen nicht freiwillig zu Göttern. Vielleicht lernen wir schon früh, bestimmte Menschen als unangreifbare Autoritäten anzusehen.

Wir passen uns an, befolgen Regeln und übernehmen Vorstellungen, ohne immer erkennen zu können, weshalb wir das eigentlich tun.

Dabei ist Anpassung nicht grundsätzlich etwas Schlechtes. Wir leben miteinander, nicht jeder für sich allein. Regeln können notwendig sein, damit dieses Miteinander funktioniert.

Aber für mich gibt es einen entscheidenden Unterschied:

Passe ich mich an, weil ich mich frei dafür entscheiden kann?

Oder passe ich mich an, weil ich gar nicht erkenne, dass es auch andere Möglichkeiten geben könnte?

Vielleicht beginnt Freiheit nicht damit, keine Regeln mehr zu haben.

Sondern damit, überhaupt erkennen und entscheiden zu können.

Wir erforschen das Universum und schwarze Löcher darin, entwickeln künstliche Intelligenz und schaffen Möglichkeiten, die noch vor wenigen Jahrzehnten undenkbar gewesen wären.

Und gleichzeitig?

Haben wir Angst, etwas zu verlieren, klammern mit einer Vehemenz an Äußerlichkeiten, Regeln und Menschen.

Wir wollen dazugehören, geliebt werden, anerkannt sein. Wir versuchen festzuhalten, was uns Sicherheit gibt. Menschen, Beziehungen, Überzeugungen, Besitz, manchmal sogar Vorstellungen davon, wie unser Leben zu sein hat.

Wir möchten bestimmen, was bleibt. Und möglichst auch, was sich verändert. Gerade der Veränderung zeigen wir regelmäßig die kalte Schulter.

Dabei scheint uns etwas Entscheidendes immer wieder zu entgehen:

Nicht alles, was wir festhalten möchten, lässt sich festhalten. Denn ist nicht der ganze Aufbau dieser Welt auf Veränderung ausgerichtet? Das fängt bei den stets wiederkehrenden Jahreszeiten an und hört bei den Umdrehungen, die die Erde um die Sonne macht, nicht auf. Alles findet in Zyklen statt, in denen jedoch immer kleine Veränderungen wahrnehmbar sind. Selbst der Kaffee am Morgen ist von kleinen Veränderungen geprägt: minimale Unterschiede im Mahlgrad, in der Kaffeestärke und in der Wassermenge.

Damit meine ich nicht nur die bekannten Jahres- oder Tageszyklen, sondern möglicherweise auch Veränderungen, deren Wiederholung wir innerhalb unserer eigenen Lebensspanne gar nicht erkennen können.

Alte Muster in einer neuen Welt

Vielleicht sind unsere grundlegenden menschlichen Muster viel älter als die Welt, in der wir heute leben.

Die Angst vor Verlust, das Bedürfnis nach Zugehörigkeit, der Wunsch nach Sicherheit und Kontrolle haben die Menschen vermutlich schon in der Steinzeit und lange davor begleitet, lange bevor es unsere moderne Gesellschaft gab.

Damals ging es möglicherweise um ein Stück Land, um Nahrung, um den eigenen Platz innerhalb einer Gemeinschaft.

Heute geht es um Geld, Einfluss, Anerkennung, Beziehungen oder darum, wer recht hat.

Unsere Möglichkeiten scheinen ins Unermessliche zu wachsen. Die Werkzeuge, die uns zur Verfügung stehen, sind mächtiger geworden als jemals zuvor. Doch was ist mit unserem Bewusstsein?

Wenn das Bewusstsein nicht mitwächst, bekommt nur das alte Muster bessere Werkzeuge.

Dieser Gedanke beschäftigt mich. Doch ist es überhaupt ein herkömmliches Wachsen? Oder handelt es sich nicht vielmehr um ein Ausdehnen unseres Bewusstseins?

Denn was nützt uns die Fähigkeit, beinahe unbegrenzt miteinander kommunizieren zu können, wenn wir einander trotzdem nicht zuhören? Wenn wir nach außen hin zu hören, während wir im Inneren längst unsere eigenen Gespräche führen?

Was nützt uns immer mehr Wissen, wenn wir es vor allem dazu verwenden, unsere bisherigen Überzeugungen zu verteidigen?

Und was nützen uns immer größere Möglichkeiten, wenn wir innerlich noch immer glauben, alles kontrollieren zu müssen?

Wenn das Bewusstsein nicht mitwächst

Immer wieder gab es Augenblicke in meinem Leben, in denen mir genau dieser Gedanke besonders deutlich bewusst wurde:

Wenn das Bewusstsein nicht mitwächst.

Es war keine Erkenntnis, die ich mir mühsam zurechtgelegt hatte. Durch die Beobachtung meines Umfeldes und meiner selbst wurde mir immer deutlicher, wie sehr Angst uns Menschen daran hindern kann, über unsere bisherigen Grenzen hinauszuwachsen.

Nicht unbedingt, weil wir es nicht wollen. Sondern weil die Angst manchmal so groß ist, dass wir die Möglichkeiten, die uns offenstehen, gar nicht erkennen oder nutzen können.

Schon seit Jahrzehnten beschäftigt mich die Frage, weshalb wir Fortschritt so häufig an dem messen, was wir erschaffen, und so viel seltener daran, wie wir mit uns selbst, miteinander und mit unserer Umwelt umgehen. Immer wieder komme ich dabei zu demselben Gedanken zurück:

Unsere Möglichkeiten entwickeln sich in einem rasanten Tempo. Aber wächst unser Bewusstsein tatsächlich im gleichen Maße mit?

Vielleicht können wir technisch unglaublich weit sein und gleichzeitig emotional immer wieder an denselben Stellen hängen bleiben.

Vielleicht können wir die Welt verändern, ohne unsere Sicht auf sie wesentlich verändert zu haben.

Und vielleicht liegt genau darin eine unserer größten Herausforderungen.

Nicht immer noch mehr zu können.

Sondern bewusster damit umzugehen, was wir bereits können.

Die Illusion des Festhaltens

Wir wissen, dass sich alles verändert.

Menschen werden älter. Beziehungen verändern sich. Lebensumstände wandeln sich. Was heute selbstverständlich erscheint, kann morgen schon ganz anders aussehen.

Und trotzdem versuchen wir, dem Leben eine Beständigkeit abzuringen, die es uns nicht versprechen kann.

Vielleicht, weil Veränderung auch Unsicherheit bedeutet und Unsicherheit häufig mit Angst einhergeht?

Vielleicht, weil wir das Vertraute brauchen, um uns in einer Welt zurechtzufinden, die niemals wirklich stillsteht.

Ich glaube nicht, dass der Wunsch nach Sicherheit etwas ist, das wir überwinden müssen.

Aber ich frage mich, was geschieht, wenn aus diesem Wunsch der Anspruch entsteht, das Leben müsse so bleiben, wie wir es gerne hätten.

Wenn wir beginnen, Menschen festhalten zu wollen, anstatt ihnen zu begegnen.

Wenn wir Überzeugungen verteidigen, anstatt zu erkennen, dass wir sie auch hinterfragen dürfen.

Wenn wir Veränderung als Bedrohung erleben, obwohl sie untrennbar zum Leben gehört.

Kein Anfang und kein Ende?

Ein weiterer Gedanke begleitet mich:

„Es gibt kein Ende und keinen Anfang, nur ewige Ausdehnung. “

Für mich ist das keine wissenschaftliche Feststellung. Es ist ein Gedanke, der aus meiner persönlichen Auseinandersetzung mit dem Leben und dem großen Ganzen entstanden ist.

Wir Menschen versuchen, Dinge einzuordnen. Wir suchen nach einem Anfang und einem Ende. Nach Grenzen, Erklärungen und möglichst eindeutigen Antworten.

Vielleicht brauchen wir diese Einteilungen, um überhaupt verstehen zu können.

Und gleichzeitig frage ich mich, ob wir dabei manchmal vergessen, dass unsere Vorstellungen von der Welt eben nur Vorstellungen sind – und nicht zwangsläufig die Welt selbst widerspiegeln.

Dass etwas auch dann existieren oder sich verändern kann, wenn wir es noch nicht begreifen.

Dass wir Teil von etwas sind, das weit über unsere persönliche Vorstellungskraft hinausgeht.

Vielleicht beginnt Fortschritt ganz woanders

Ich weiß nicht, ob die Menschheit irgendwann lernen wird, mit ihren Möglichkeiten ebenso bewusst umzugehen, wie sie diese Möglichkeiten erschafft.

Und ich weiß auch nicht, ob sich unsere alten Muster jemals vollständig verändern werden.

Vielleicht müssen sie das gar nicht.

Angst, das Bedürfnis nach Zugehörigkeit und der Wunsch nach Sicherheit gehören zu unserem Menschsein.

Aber wir könnten beginnen, bewusster wahrzunehmen, wann diese Bedürfnisse unser Handeln bestimmen.

Wann wir aus Angst festhalten.

Wann wir aus Unsicherheit kontrollieren.

Wann wir lieber recht behalten, als etwas Neues zu verstehen.

Vielleicht bedeutet innerer Fortschritt nicht, ein anderer Mensch zu werden.

Sondern den Menschen, der wir sind, immer ein wenig besser kennenzulernen.

Und vielleicht müssen wir dafür nicht alles loslassen, was uns wichtig ist.

Vielleicht genügt es manchmal schon, zu erkennen, dass wir nicht alles festhalten können.

Denn das Leben verändert sich. Ob wir es festhalten wollen oder nicht.

Sinnfinder-Post

Gedanken die dich begleiten

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