
Manchmal sieht man den eigenen Weg erst, wenn man zurückblickt

Es gibt Lebensabschnitte, bei denen wir keinen blassen Schimmer haben, wohin das alles führen soll.
Wir gehen einen Weg, sind in Gedanken bereits am Ziel.
Dann kommt eine Kurve. Wir denken: Nun gut, ein kleiner Umweg schadet nicht.
Dann eine Sackgasse. Vielleicht denken wir: Das kann doch gar nicht möglich sein. Wir schauen uns um, ob es nicht doch irgendwo weitergeht.
Dann stehen wir plötzlich im Nirgendwo, sind fassungslos darüber, was uns hierherbrachte. Genau dort, wo wir niemals hinwollten.
Und natürlich denken wir:
Das hättest du dir sparen können.
Vielleicht.
Vielleicht aber auch nicht.
Denn leider wurde unser Leben ohne ordentlich gefalteten Stadtplan oder Navi geliefert, auf dem jemand vorher klar den Weg gekennzeichnet hat. Geschweige denn, dass im Navi unsere Lebensstrecke bereits eingespeichert wäre - trotz all der Errungenschaften, die wir heute haben.
Es ist eher … na ja.
Ein bisschen wie Google Maps mit schlechtem Empfang. 😂
Manchmal sagt es: „Bitte wenden.“
Manchmal führt es uns eine Straße entlang, von der wir gar nicht wussten, dass sie existiert.
Und manchmal stehen wir mitten im Nirgendwo und denken:
Und jetzt?
Ich glaube, genau diese verzwickten Momente gehören genauso zu einem Lebensweg wie die schönen.
Mitten im Weg ergibt noch nicht alles Sinn
Ist dir auch schon aufgefallen, dass wir unsere Geschichte gern rückwärts erzählen? Logisch, sonst wäre es ja keine Geschichte!
Und dann klingt plötzlich alles logisch.
„Das musste so kommen.“
„Dadurch bin ich zu dem Menschen geworden, der ich heute bin.“
Vielleicht.
Aber wenn wir mitten in der Geschichte stecken, fühlt es sich meistens überhaupt nicht so logisch an.
Da ist einfach nur das Leben.
Mit seinen Entscheidungen.
Mit seinen Fehlern.
Mit seinen Schmerzen.
Mit Menschen, die kommen und wieder gehen.
Mit Dingen, die wir verlieren.
Und mit Dingen, von denen wir irgendwann merken, dass sie gar nicht zu uns gehört haben.
Nicht alles muss einen höheren Sinn haben
Ich glaube nicht, wie einst in der Jugend, dass jede schwierige Erfahrung einen höheren Sinn haben muss.
Manches war einfach schwer.
Manches war ungerecht.
Manches hätte anders laufen dürfen.
Und trotzdem können wir irgendwann erkennen und entscheiden, was wir heute daraus machen.
Das ist für mich ein wichtiger Unterschied.
Ich muss nicht behaupten, dass alles einen Sinn hatte.
Ich darf sagen:
Das war schwierig. Und ich bin trotzdem weitergegangen.
Vielleicht ist das manchmal schon genug.
Unser Weg muss nicht aussehen wie der der anderen
Und vielleicht beginnt unser eigener Weg genau dort, wo wir aufhören, ihn mit dem Weg anderer Menschen zu vergleichen.
Denn wir sehen bei anderen meistens nur das fertige Kapitel. Ein Kapitel von vielen!
Nicht die durchgestrichenen Seiten.
Nicht die Umwege.
Wir sind nicht in den Nächten dabei, in denen sie selbst keine Ahnung hatten, wie es weitergehen soll.
Also vielleicht müssen wir unseren Weg gar nicht ständig erklären, rechtfertigen oder gar entschuldigen.
Vielleicht dürfen wir ihn einfach gehen.
Schritt für Schritt.
Und manchmal auch mit Umweg.


