
Warum ich schreibe, obwohl ich manchmal keine Ahnung habe, was daraus wird

Schreiben ist eine merkwürdige Sache.
Man setzt sich hin, öffnet eine leere Seite und denkt:
Na los.
Und die Seite denkt offensichtlich:
Nö.
Schreiben funktioniert bei mir nicht auf Knopfdruck
Aus diesem Grund lass ich mich gar nicht auf so eine Vorgehensweise ein. Kein Druck, unter Druck ist mein Hirn völlig blockiert. Das gleiche geschieht bei mir, wenn gewisse Erwartungen an mich gestellt werden.
Scheiben ist ein kreativer Prozess. Ja ich, gerade ich, schreibe diese Wörter. Es erstaunt mich immer wieder, dass ich den Großteil meines Lebens dachte, ich sei nicht kreativ. Dabei hat man mir immer wieder gesagt, ich hätte eine eigenwillige und ausdrucksstarke Weise, die Dinge zu beschreiben. Sodass wirklich jeder mitkommt und versteht, was ich damit aussagen will.
Manchmal kommt ein Satz aus meinem Inneren empor, aus dem plötzlich eine ganze Seite entsteht. Ich bin selbst immer wieder erstaunt, wie Gedankenketten sich wie Perlen aneinanderreihen. Und tatsächlich kommt am Ende der Seite etwas Sinnvolles dabei herauskommt. Also sinnvoll im Sinne von: Es berührt mich. Das allein ist schon ein Geschenk. Es macht mich auch demütig. Dieses Geschenk möchte ich gerne weitergeben, weil es so tief und stark im Gefühl ist. Weil es mir sehr leicht von der Hand geht. Wo wir doch in einer Gesellschaft leben, wo alle ächzen unter der Last des Lebens. Auch ich habe die meiste Zeit meines Lebens geächzt.
Und manchmal sitze ich da und frage mich, welcher Anteil in mir überhaupt auf die Idee gekommen ist, ein Buch schreiben zu wollen.
Ich kenne beide Anteile. Dem einen habe ich viel zu wenig Raum in meinem Leben zugestanden, weil ich davon ausging, ich muss …
Wenn Gedanken plötzlich eine Sprache bekommen
Für mich bedeutet Schreiben nicht nur, Worte aneinanderzureihen.
Es bedeutet, meine Gedanken sichtbar zu machen.
Dinge, die vorher vielleicht nur als Gefühl irgendwo herumlagen, bekommen plötzlich eine Sprache. Und seit ich diese Sprache immer besser verstehe, nimmt mein Leben immer mehr Gestalt an, sodass ich gut damit im Einklang sein kann.
Und manchmal verändern sich dadurch sogar der Gedanke und das Gefühl, für er steht. Oder die ganze Gedankenkette scheint neu aufgefädelt zu werden.
Das finde ich faszinierend.
Beim Schreiben merke ich oft:
Ich wusste gar nicht, dass ich das denke.
Es ist, als würde das Schreiben eine Tür öffnen.
Und dahinter steht etwas, das vorher schon da war.
Nicht immer angenehm.
Aber oft interessant.
Vielleicht schreibe ich deshalb, weil ich nicht auf alles eine Antwort habe.
Sondern gerade, weil ich Fragen spannend finde und sich die Antwort während des Schreibens bilden kann. Aber nicht bilden muss.
Ein Text muss nicht immer Antworten geben
Ich glaube nämlich nicht, dass ein Buch immer sagen muss:
„So ist es.“
Vielleicht darf es auch sagen:
„Schau mal. Könnte es vielleicht auch so sein?“
Genau diese Art von Schreiben interessiert mich.
Nicht belehren.
Nicht erklären, wie das Leben funktioniert.
Sondern Gedanken anbieten.
Zum Nachdenken.
Zum Wiedererkennen.
Vielleicht auch zum Widersprechen.
Denn ein guter Text muss nicht bei jedem Menschen dasselbe auslösen.
Wenn jemand nach einem Satz innehält und denkt:
„Hm … darüber habe ich noch nie so nachgedacht.“
Dann hat dieser Satz schon etwas geschafft.
Und vielleicht ist genau das der Grund, warum ich weiterschreibe.


