
Wir müssen nicht immer alles im Griff haben

Es gibt Tage, an denen läuft es.
Man steht auf, macht seinen Kaffee, erledigt Dinge und denkt:
Na bitte. Ich kann das doch.
Und dann gibt es andere Tage.
Da ist schon die Frage, was man zum Frühstück essen soll, irgendwie eine größere Lebensentscheidung.
Ich glaube, wir reden viel zu wenig darüber, dass beides zum Leben gehört.
Wir erwarten erstaunlich oft von uns, dass wir funktionieren.
Wenn möglich gefälligst zuverlässig.
Wenn möglich gefälligst freundlich.
Wenn möglich gefälligst produktiv.
Und wenn es mal nicht klappt, haben wir schnell die Schublade der Selbstkritik geöffnet.
„Andere schaffen das doch auch.“
Ja.
Andere sind aber auch andere.
Wir müssen nicht jeden Tag dieselbe Version von uns sein
Vielleicht müssen wir nicht jeden Tag dieselbe Version von uns sein.
Vielleicht müssen wir auch nicht jeden Tag die beste Version von uns sein.
Vielleicht gibt es Tage für große Pläne.
Und Tage für kleine Dinge.
Tage, an denen wir die Welt umarmen möchten.
Und Tage, an denen wir froh sind, wenn sie uns möglichst nicht bemerkt und einfach in Ruhe lässt.
Das macht uns nicht automatisch inkonsequent.
Es macht uns menschlich.
Ich glaube, wir unterschätzen manchmal, wie viel Kraft darin steckt, ehrlich festzustellen:
Heute geht gerade nicht mehr.
Nicht als endgültige Lebensentscheidung.
Nicht als Aufgeben.
Einfach als Beschreibung des heutigen Tages.
Was wäre jetzt hilfreich?
Und vielleicht darf danach die nächste Frage ganz klein sein:
Was wäre jetzt hilfreich?
Ein Spaziergang?
Eine Tasse Tee?
Ein Gespräch?
Ruhe?
Ein bisschen Ordnung?
Oder einfach zehn Minuten gar nichts?
Nicht jede Antwort muss groß sein.
Manchmal reicht ein kleiner nächster Schritt.
Ich glaube, genau darin liegt etwas Beruhigendes:
Wir müssen unser ganzes Leben nicht heute lösen.
Wir müssen nicht wissen, wie alles weitergeht.
Wir dürfen manchmal einfach dort anfangen, wo wir gerade stehen.
Mit dem, was gerade da ist.
Und vielleicht ist das Leben am Ende sowieso weniger eine Prüfung, bei der wir möglichst viele Punkte sammeln müssen.
Vielleicht ist es eher eine ziemlich eigenwillige und abenteuerliche Reise.
Mit Umwegen.
Mit Überraschungen.
Mit Tagen, an denen wir uns selbst verstehen.
Und anderen, an denen wir uns beim besten Willen nicht verstehen.
Auch das darf sein.
Morgen ist schließlich auch noch ein Tag.


